Schluss mit dem Projekt-Chaos: Warum wir monogames Stricken lieben sollten

Warum wir monogames Stricken lieben sollten
Hallo, meine lieben Strickbegeisterten!

Hand aufs Herz: Wie viele Strickkörbe oder Projekttaschen stehen gerade in deinem Wohnzimmer? Wenn du ehrlich bist, ist es wahrscheinlich nicht nur einer, oder? Da ist der Pullover, bei dem nur noch die Ärmel fehlen. Da ist das Tuch mit dem komplizierten Lochmuster, für das du gerade nicht den Kopf hast. Und da ist natürlich diese eine wunderschöne neue Wolle, die du „nur mal kurz“ anstricken wolltest. Wir alle kennen das. Es fängt ganz harmlos an, doch plötzlich sind wir von UFOs (UnFinished Objects) umzingelt. Und genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen. Ich habe nämlich für mich eine neue, fast schon revolutionäre Entdeckung gemacht: monogames Stricken.

Was ist eigentlich monogames Stricken?

Der Begriff klingt fast ein bisschen streng, oder? Aber eigentlich bedeutet er pure Freiheit. Monogames Stricken heißt schlicht und ergreifend: Du hast immer nur ein einziges Projekt auf den Nadeln. Erst wenn dieses Stück abgekettet, die Fäden vernäht und das Teil vielleicht sogar schon gewaschen ist, darf die nächste Wolle auf die Nadeln hüpfen.

Ich weiß, was du jetzt denkst: „Gabriele, wie soll ich das schaffen? Es gibt doch so viele schöne Anleitungen!“ Glaub mir, ich habe genauso gedacht. Aber ich versuche es gerade selbst und stelle fest: Ich finde langsam richtig Gefallen daran monogames Stricken umzusetzen.

Die Falle der „Poly-Strickerei“

Lange Zeit dachte ich, es sei toll, für jede Stimmung ein Projekt zu haben. Etwas Einfaches für den Fernseher, etwas Kompliziertes für die Ruhepausen, etwas Kleines für unterwegs. Doch die Realität sah anders aus. Statt Entspannung hatte ich Stress. Jedes unfertige Teil in meiner Ecke hat mich innerlich ermahnt: „Wann machst du mich endlich fertig?“

Dieser Berg an angefangenen Sachen ist wie eine To-Do-Liste, die niemals endet. Und genau das ist das Gegenteil von dem, was Stricken für uns sein sollte: Entspannung, Kreativität und Stolz auf das Geschaffene.

Warum monogames Stricken dein Leben verändert

Seit ich versuche, monogam zu stricken, hat sich mein Gefühl beim Handarbeiten komplett gewandelt. Hier sind drei Gründe, warum es so gut tut:

  • Der Fokus kommt zurück: Wenn du dich nur auf ein Projekt konzentrierst, lernst du das Muster viel schneller auswendig. Du musst nicht jedes Mal neu überlegen: „Welche Nadelstärke war das?“ oder „Wo war ich im Mustersatz stehen geblieben?“. Du bist richtig im Flow.
  • Das Erfolgserlebnis ist greifbar: Wenn du deine Energie nicht auf fünf Projekte verteilst, wächst das eine Teil rasend schnell. Du siehst jeden Tag einen echten Fortschritt. Das motiviert ungemein! Ein fertiger Pullover nach drei Wochen macht glücklicher als fünf halbe Pullover nach einem Jahr.
  • Keine neuen UFOs: Das ist der wichtigste Punkt. Der psychische Druck verschwindet. Es gibt kein schlechtes Gewissen mehr, weil du weißt: Wenn ich dieses Teil fertig habe, darf ich mich ohne Reue ins nächste Abenteuer stürzen.

Mein Selbstversuch: Aller Anfang ist… diszipliniert!

Ich gebe es zu: Die erste Woche war hart. Mein Blick wanderte ständig zu den neuen handgefärbten Strängen in meinem Regal. Die Versuchung, „nur mal schnell“ eine Maschenprobe zu machen (die dann meistens direkt im Schaft einer Socke endet), war riesig.

Aber ich bin hart geblieben. Ich arbeite aktuell an einem Projekt und merke, wie die Vorfreude auf das nächste Projekt wächst. Es ist wie als Kind vor Weihnachten: Die Vorfreude ist die schönste Freude. Wenn ich weiß, dass ich erst die eine Hürde (ja, ich meine dich, du ewiger zweiter Ärmel!) nehmen muss, bevor ich das neue Garn anrühren darf, stricke ich diesen Ärmel plötzlich mit viel mehr Elan.

Ein kleiner Tipp für dich

Wenn du es auch mal probieren möchtest, fang klein an. Nimm dir ein Projekt vor, das du eigentlich gerne magst, das aber schon länger liegt. Versprich dir selbst: „Ich mache nur das hier fertig.“ Räume alle anderen Körbe außer Sichtweite. Was man nicht sieht, stresst einen auch nicht so sehr.

Du wirst merken, wie sich eine wunderbare Ruhe in deinem Strickalltag breitmacht. Du triffst eine bewusste Entscheidung für ein Garn und ein Design. Das ist wahre Wertschätzung für dein Material und deine Zeit.

Wie hältst du es?

Jetzt bin ich natürlich neugierig: Bist du eine „Serientäterin“, die zehn Sachen gleichzeitig anfängt, oder gehörst du schon zum Team Monogam? Oder stresst dich dein Wollberg vielleicht genauso wie mich und du suchst nach einem Ausweg?

Schreib mir doch mal in die Kommentare, wie viele Projekte du gerade auf den Nadeln hast. Ich verspreche dir, ich werde nicht schimpfen – ich kenne das Gefühl ja nur zu gut! Aber vielleicht hast du ja Lust, dich mir anzuschließen und den März zum „Ein-Projekt-Monat“ zu machen?

Lass uns gemeinsam die Freude am Fertigstellen wiederentdecken. Denn am Ende ist es doch das fertige Strickstück, das wir mit Stolz tragen oder verschenken, und nicht der volle Korb in der Ecke.

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Die „Wolloholiker-Checkliste“: 5 Tipps gegen die Verführung und für monogames Stricken!

Damit du wirklich bei deinem einen Projekt bleibst und die neuen Stränge im Regal dich nicht schwach werden lassen, habe ich hier meine persönliche Überlebensstrategie für dich:

  1. Aus den Augen, aus dem Sinn: Packe alle Wolle, die nicht zu deinem aktuellen Projekt gehört, in blickdichte Kisten oder Schränke. Wenn dich die handgefärbten Schätze nicht ständig verführerisch aus dem Regal anleuchten, fällt es viel leichter, sich auf die Maschen auf der Nadel zu konzentrieren.
  2.  Die Belohnungs-Wolle: Stelle dir das Garn für dein nächstes Projekt als Belohnung vor. Du darfst es erst wickeln oder den Strang öffnen, wenn die letzte Masche des aktuellen Projekts abgekettet ist. Das Vorfreude-Gefühl ist ein riesiger Motivator für die letzten (oft zähen) Zentimeter!
  3.  Maschenproben-Verbot: „Ich stricke ja nur mal kurz an, um zu schauen, wie die Farbe wirkt…“ – Stop! Das ist die gefährlichste Falle. Eine Maschenprobe führt fast immer zu einem neuen UFO. Bleib hart: Keine neue Nadel wird gezückt, bevor die aktuelle frei ist.
  4.  Das „Notizbuch der Ideen“: Wenn du eine tolle neue Anleitung entdeckst, schreib sie dir in ein schönes Notizbuch oder speichere sie auf einer Merkliste. So hast du das Gefühl, die Idee „gesichert“ zu haben, ohne sie sofort anstricken zu müssen. Dein Kopf wird frei für das aktuelle Muster.
  5.  Zelebriere das Abketten: Mach ein kleines Event daraus, wenn du fertig wirst! Mach ein Foto, zeig es in unserer Community oder gönn dir eine gute Tasse Kaffee beim Fädenvernähen. Wenn du diesen Moment des Abschlusses bewusst genießt, wird dein Gehirn darauf trainiert, das Fertigstellen mehr zu lieben als das Neu-Anfangen.

Viel Spaß beim fokussierten Nadelgeklapper,
Deine Gabriele von Wolloholiker

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