Hashimoto – mein Leben mit der Krankheit

Hashimoto

Wenn du heute hierhergekommen bist, um eigentlich etwas über Sockenbündchen oder meine neuesten Aquarell-Postkarten zu lesen, dann habe ich heute eine etwas andere Geschichte für dich. Eine Geschichte, die sehr persönlich ist und die tief in meinen Alltag hineinreicht. Aber keine Sorge: Es ist eine Geschichte, die Mut machen soll. Ich möchte heute über etwas sprechen, das viele von uns betrifft, auch wenn man es uns nicht sofort ansieht: Hashimoto-Thyreoiditis.

Seit nunmehr über 20 Jahren – seit 2005 – begleitet mich diese Diagnose. Wenn ich zurückblicke, sehe ich eine lange Reise voller Herausforderungen. Da gab es diese Phasen, in denen mein Körper sich anfühlte, als hätte ich einen bleiernen Mantel aus Müdigkeit an. Da waren die Momente, in denen mein Stoffwechsel gefühlt einfach in den Winterschlaf gegangen ist, und diese quälenden Schübe, bei denen ich mich fragte, warum mein eigenes Immunsystem plötzlich zum Feind meiner Schilddrüse geworden ist.

Doch bevor wir über das „Wie man damit lebt“ sprechen, lass uns kurz schauen, was da eigentlich in uns passiert.

Was genau ist eigentlich Hashimoto?

Stell dir deine Schilddrüse als den Taktgeber deines Körpers vor. Sie produziert Hormone, die wie ein Dirigent in einem Orchester steuern, wie schnell dein Herz schlägt, wie warm du dich fühlst, wie viel Energie du hast und wie schnell dein Stoffwechsel läuft.

Bei Hashimoto-Thyreoiditis ist dieser Dirigent jedoch unter Beschuss geraten. Es ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem – das uns eigentlich vor Viren und Bakterien schützen soll – einen fatalen Fehler begeht. Es hält das eigene Schilddrüsengewebe für einen Eindringling und beginnt, es anzugreifen. Dabei entzündet sich die Schilddrüse dauerhaft. Mit der Zeit führt diese chronische Entzündung dazu, dass die Schilddrüse immer weniger Hormone produziert.

Die Symptome? Sie sind so vielfältig wie tückisch. Zum einen ist es die bleierne Erschöpfung, das Gefühl, als würde man durch Watte denken. Da ist die Gewichtszunahme, obwohl man kaum etwas isst, weil der Stoffwechsel auf Sparflamme läuft. Da sind Gliederschmerzen, Konzentrationsstörungen, Haarausfall oder dieses ständige Gefühl, innerlich „nicht richtig“ zu sein.

Der Kampf gegen die Schübe: Mein Alltag mit Hashimoto

Ich will dir nichts vormachen: Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, die Krankheit hat das Steuer übernommen. Wenn ein „Schub“ kommt, fühle ich mich manchmal, als hätte mich ein schwerer Virusinfekt erwischt, ohne dass ich Fieber habe. Mein Stoffwechsel läuft dann oft noch langsamer, und jede Treppe fühlt sich an wie ein Aufstieg auf den Mount Everest.

Aber weißt du, was ich über die Jahre gelernt habe? Hashimoto bestimmt nicht mein Leben. Ja, die Krankheit gehört zu mir. Sie ist wie ein Mitbewohner, den ich mir nicht ausgesucht habe, der aber einfach in meine Wohnung eingezogen ist. Manchmal ist dieser Mitbewohner laut, nervig und blockiert den Flur. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich habe gelernt, dass ich nicht gegen meinen Körper kämpfen muss, sondern für ihn.

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Mutmacher: So habe ich meinen Weg gefunden

Wenn du gerade erst die Diagnose bekommen hast oder dich in einem tiefen Loch befindest, möchte ich dir eines mitgeben: Du bist nicht allein. Und vor allem: Dein Leben ist noch immer deins.

Hier sind ein paar Dinge, die mir geholfen haben, mein Leben trotz Hashimoto wieder in die eigene Hand zu nehmen:

  • Höre auf dein „Bauchgefühl“ – im wahrsten Sinne. Unsere Darmgesundheit spielt eine riesige Rolle bei Autoimmunerkrankungen. Ich habe angefangen, genau zu beobachten, was mir gut tut und was nicht. Manchmal sind es Kleinigkeiten in der Ernährung, die den Unterschied machen.
  • Akzeptanz ist der erste Schritt zur Heilung. Lange Zeit war ich wütend auf meinen Körper. Ich wollte, dass er „funktioniert“ wie früher. Aber das tat er nicht. Erst als ich angefangen habe, die Krankheit als Teil meiner Identität zu akzeptieren – nicht als Feind, sondern als Hinweisgeber – wurde alles leichter. Wenn mein Körper müde ist, darf er das sein. Ich gönne mir dann die Ruhe, anstatt mich zu pushen.
  • Kreativität als Therapie. Hier kommt mein „Wolloholiker“-Dasein ins Spiel. Das Stricken und Malen sind für mich keine Zeitverschwendung, sondern bewusste Pausen. Wenn ich eine Reihe rechts stricke, fokussiere ich mich auf das Hier und Jetzt. Das beruhigt mein Nervensystem. Hashimoto liebt Stress – also ist Entspannung für mich eine Form von Medizin.
  • Sich Hilfe holen. Es ist keine Schwäche, zum Arzt zu gehen, wenn die Werte nicht stimmen. Es ist eine Stärke, für seine Gesundheit einzustehen. Such dir jemanden, der dich ernst nimmt – einen Endokrinologen, der nicht nur auf die Werte schaut, sondern auf dich als Mensch.

Du darfst stolz auf dich sein

Wenn du trotz der Müdigkeit aufstehst, wenn du trotz der Schmerzen versuchst, den Tag zu meistern, wenn du dir kleine Freuden suchst – dann bist du verdammt stark. Hashimoto ist keine Krankheit, die man mal eben „weglächelt“, aber es ist eine Krankheit, mit der man ein erfülltes Leben führen kann.

Es geht nicht darum, perfekt zu funktionieren. Es geht darum, ein Leben zu gestalten, das zu deiner Energie passt. Wenn du heute nur eine Reihe gestrickt hast, dann ist das ein Erfolg. Wenn du heute nur einen kurzen Spaziergang gemacht hast, dann ist das genug.

Einen Gang zurückschalten

Hashimoto hat mir beigebracht, langsamer zu machen. Es hat mir beigebracht, wertzuschätzen, was mein Körper jeden Tag leistet, anstatt ihn für das zu kritisieren, was er gerade nicht kann. Wir sind keine „kaputten“ Menschen. Wir sind Menschen, deren System etwas mehr Aufmerksamkeit, mehr Geduld und mehr Selbstliebe braucht.

Die Krankheit gehört zu mir, ja. Sie hat meine Sicht auf das Leben geschärft. Ich weiß heute viel besser, wann ich eine Pause brauche und wie kostbar meine Energie ist. Und diese Energie verwende ich für das, was mir wirklich Freude bereitet: das Stricken, das Malen, den Austausch mit dir.

Wenn du heute einen schlechten Tag hast, dann lass dir sagen: Dieser Schub wird vorbeigehen. Es kommen auch wieder Tage, an denen der Stoffwechsel sich etwas wohler fühlt und die Watte im Kopf verschwindet. Halte durch. Du bist nicht dein TSH-Wert. Du bist du, und du bist wunderbar, genauso wie du bist – mit all deinen Ecken, Kanten und deiner ganz eigenen Geschichte.

Lass uns zusammen weiternadeln und uns von dieser Krankheit nicht unterkriegen lassen. Was sind deine Erfahrungen? Wie gehst du mit deinen Schüben um? Schreib es mir gerne in die Kommentare. Vielleicht können wir uns gegenseitig ein Stück des Weges leichter machen.

Alles Liebe für dich,
Deine Gabriele von Wolloholiker

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