Stricken ist gesund

Stricken ist gesund.

Hallo meine lieben Woll-Verrückten und Maschen-Junkies, setzt euch, nehmt euch einen Keks (oder ein Stück Schokolade, wir sind hier unter uns) und legt für einen kurzen Moment die Nadeln beiseite. Na gut, ihr dürft sie behalten, wenn ihr blind stricken könnt, während ihr das hier lest. Heute müssen wir nämlich mal über etwas Ernstes reden. Oder eigentlich über etwas herrlich Erfreuliches: Stricken ist gesund!

Ja, ihr habt richtig gelesen. Wenn euch das nächste Mal jemand schief anschaut, weil ihr in der Bahn, im Wartezimmer oder (zugegeben, etwas gewagt) im Kino die Nadeln klappern lasst, dann könnt ihr jetzt ganz wissenschaftlich fundiert kontern. Wir betreiben hier nämlich keine bloße Freizeitbeschäftigung. Wir betreiben Self-Care, Burnout-Prävention und Gehirnjogging in einem.

Ich sage es ja immer: Mein Blog heißt nicht umsonst „Wolloholiker“. Aber im Gegensatz zu anderen Süchten ist diese hier verdammt gut für den Blutdruck. Lasst uns mal im Detail anschauen, warum unsere Wollberge eigentlich eine Apotheke auf Rezept sein sollten.

Das „Yoga der Hände“: Stricken – Entspannung auf Knopfdruck (oder Maschendruck)

Habt ihr das auch schon mal erlebt? Der Tag war stressig, der Chef hat genervt, die Schlange an der Kasse war endlos und zu Hause wartet auch noch der Abwasch. Aber dann: Ihr setzt euch in euren Lieblingssessel, spürt die vertraute Struktur eures aktuellen Projekts zwischen den Fingern und – klick – die Welt wird leiser.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die rhythmische, sich wiederholende Bewegung beim Stricken unser Nervensystem beruhigt. Es ist eine Form von meditativer Achtsamkeit. Während wir „rechts, links, fallenlassen“ murmeln, schaltet unser Gehirn in den Entspannungsmodus. Der Herzschlag verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt.

Es ist quasi Yoga, nur dass man sich dabei nicht so kompliziert verknoten muss (außer vielleicht bei einem besonders tückischen Zopfmuster). Stricken aktiviert das parasympathische Nervensystem, das für Ruhe und Regeneration zuständig ist. Also, wenn euch das nächste Mal jemand sagt, ihr solltet mal „lockerlassen“: Zeigt ihnen euer Strickzeug!

Gehirnjogging: Wer rastet, der rostet (und wer strickt, der bleibt fit)

Stricken ist weit mehr als nur ein mechanischer Vorgang. Es ist absolute Hochleistung für unsere grauen Zellen. Denkt mal darüber nach, was wir da eigentlich leisten:

  • Mathematik pur: Wir berechnen Maschenproben (meistens unter Protest, aber wir tun es!), zählen Reihen, kalkulieren Zunahmen und schätzen den Wollverbrauch. Das hält das logische Denken fit.
  • Feinmotorik: Die Koordination beider Hände trainiert die Verbindung zwischen den Gehirnhälften. Das ist wie Klavierspielen, nur dass am Ende ein Socken dabei herauskommt und kein falscher Ton.
  • Gedächtnistraining: Wer hat sich noch nie ein kompliziertes Lace-Muster eingeprägt, um nicht alle zwei Sekunden auf die Strickschrift starren zu müssen? Das ist besseres Training als jedes Sudoku!

Es gibt sogar Studien, die darauf hinweisen, dass handwerkliche Hobbys wie Stricken das Risiko für Demenz und kognitiven Verfall im Alter senken können. Wir stricken uns also quasi jung. Wenn das kein Grund für einen neuen Wollkauf ist, dann weiß ich auch nicht!

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Die „Woll-Therapie“ Stricken gegen das Grübel-Karussell

Kennt ihr das? Man liegt abends im Bett und die Gedanken kreisen um Probleme, die man eigentlich gar nicht lösen kann. Hier ist Stricken die perfekte „Unterbrecher-Taktik“.

Dadurch, dass wir uns auf das Muster konzentrieren müssen, bleibt schlichtweg kein Platz mehr für negative Gedankenspiralen. Es ist schwer, gleichzeitig über die Steuererklärung zu grübeln und ein kompliziertes Patentmuster zu stricken, ohne dass man sich verheddert. Die Wolle zwingt uns ins Hier und Jetzt.

Und mal ehrlich: Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als ein Problem einfach mal „wegzustricken“. Jede Masche ist ein kleiner Sieg über das Chaos des Alltags.

Das Glückshormon-Buffet: Stolz und Dopamin

Wir „Wolloholiker“ kennen diesen einen Moment ganz genau: Das Projekt ist fertig, die Fäden sind (endlich!) vernäht, und wir halten das fertige Stück in den Händen. In diesem Moment schüttet unser Gehirn so viel Dopamin und Serotonin aus, dass wir eigentlich leuchten müssten.

In einer Welt, in der wir oft nur noch digitale Ergebnisse produzieren (E-Mails schreiben, Tabellen füllen), ist etwas Haptisches, Selbstgemachtes unglaublich wertvoll für unser Selbstwertgefühl. Wir haben etwas erschaffen, das es vorher nicht gab. Aus einem langen Faden wurde ein anschließend Kleidungsstück. Das ist magisch!

Selbstwirksamkeit nennt man das in der Psychologie. Das Gefühl: „Ich kann das. Ich schaffe das.“ Und dieses Gefühl nehmen wir mit in den Rest unseres Lebens. Wer eine Ferse stricken kann, der kriegt auch andere komplizierte Dinge im Leben hin.

Soziale Kontakte: Die Strick-Community

Einsamkeit ist ungesund – Stricken verbindet. Ob in Stricktreffs (den guten alten „Strick-and-Bitch“-Runden), auf Wollfesten oder online in Foren und auf Blogs: Wir Strickerinnen sind ein geselliges Völkchen.

Der Austausch über Nadelstärken, Garnqualitäten oder das kollektive Jammern über das „Ribbeln“ (das Auftrennen von Gestricktem) schweißt zusammen. Diese sozialen Bindungen sind ein riesiger Gesundheitsfaktor. Wir fühlen uns zugehörig, verstanden und inspiriert.

Ein kleiner humorvoller Beipackzettel

Wie bei jeder wirksamen Medizin gibt es natürlich auch beim Stricken „Nebenwirkungen“, über die wir sprechen müssen:

  • Akuter Platzmangel: Die Wolle neigt dazu, sich nachts heimlich zu vermehren. Das nennt man „Stash-Expansion-Syndrom“.
  • Zeitverschiebung: Der Satz „Nur noch eine Reihe“ löst wissenschaftlich erwiesen eine Raum-Zeit-Krümmung aus, die aus 5 Minuten zwei Stunden macht.
  • Haltungsschäden: Achtet darauf, nicht wie eine Schildkröte zusammengesunken auf dem Sofa zu sitzen. Brust raus, Schultern locker, sonst braucht ihr nach der Socke eine Massage!

Fazit: Schnappt euch die Nadeln!

Meine lieben Leserinnen und Leser, Stricken ist keine bloße Beschäftigungstherapie – es ist ein Lebenselixier. Es schützt unser Herz, schärft unseren Verstand und wärmt unsere Seele (und unsere Füße).

Wenn ihr also das nächste Mal ein bisschen Zeit für euch braucht, dann nehmt sie euch ohne schlechtes Gewissen. Es ist für eure Gesundheit! Sagt eurer Familie einfach, Gabriele hat gesagt, das ist ärztlich (beinahe) verordnet.

In diesem Sinne: Bleibt gesund, bleibt entspannt und lasst die Nadeln glühen!

Alles Liebe,
Eure Gabriele von Wolloholiker

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