Kommt dir das bekannt vor? Du startest voller Euphorie in ein neues Projekt, kaufst alles, was du brauchst, und nach einer Woche bleibt das Rad stehen. Genau das ist mir bei der Tour de Fleece 2026 passiert – und heute möchte ich mit dir darüber sprechen, warum das okay ist.
Was ist die Tour de Fleece überhaupt?
Die Idee hinter der Tour de Fleece ist so genial wie einfach: Parallel zur Tour de France treten Spinnerinnen und Spinner weltweit in die Pedale – allerdings am Spinnrad. Das Prinzip lautet: “Wenn die Radprofis fahren, wird gesponnen.”
- An den Tagen, an denen die Radfahrer fahren, spinnen wir
- An den offiziellen Ruhetagen der Tour de France legen auch wir eine Pause ein
- Bei besonders schweren Bergetappen fordern wir uns am Spinnrad heraus
Wichtig: Es ist kein verbissener Wettkampf! Es geht um Spaß am Handwerk, um Motivation und darum, gemeinsam etwas zu erschaffen.
Die Fakten zur Tour de Fleece 2026
Die Tour de Fleece 2026 fand vom 4. bis 26. Juli statt. Die Ruhetage der Radprofis waren der 13. und 20. Juli – auch für uns Spinntage zum Durchatmen.
Ins Leben gerufen wurde dieses Event vor vielen Jahren von der internationalen Spinngemeinschaft – offiziell gegründet wurde es 2006 auf Ravelry. Die Idee: Die Begeisterung fürs Spinnen mit der Begeisterung für den Radsport verbinden.
Heute ist die Tour de Fleece international organisiert. Spinner aus der ganzen Welt schließen sich in virtuellen oder lokalen Gruppen zusammen. Egal ob in Deutschland, den USA, Japan oder Australien – in diesen drei Wochen spinnst du im Gleichklang mit Tausenden anderen Wollbegeisterten rund um den Globus.
Mein Start – voller Vorfreude und Tatendrang
Ich habe mich riesig auf die Tour de Fleece 2026 gefreut! Mit meinem neuen Reisespinnrad von Kromski (ein Fantasia, wie ich finde ein absolutes Traumstück) und wunderschönen Spinnfasern*Werbung im Gepäck bin ich voller Motivation gestartet.
Und die ersten Tage waren auch einfach wunderbar! Das Gefühl, an einem weltweiten Event teilzunehmen, die Fotos anderer Spinnerinnen in den sozialen Medien zu sehen – das hat mich richtig beflügelt. Ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag zu spinnen, neue Techniken auszuprobieren und am Ende der drei Wochen stolz auf meine Fortschritte zu sein.
Die Ernüchterung – nach einer Woche war Schluss
Doch dann kam Tag 7. Die anfängliche Euphorie verflog, der Alltag holte mich ein, und das Spinnrad blieb plötzlich stehen. Kein großer Grund, keine Verletzung, einfach nur … nichts. Ich spürte keine Motivation mehr, die Fasern anzufassen. Und das nagte an mir.
Ich war enttäuscht von mir selbst, fühlte mich wie ein Loser. “Warum schaffe ich das nicht? Andere spinnen doch auch drei Wochen durch! Was ist nur los mit mir?” Diese Gedanken kannte ich sonst nur von anderen Projekten – aber bei der Tour de Fleece traf es mich besonders hart.
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Was ich aus der diesjährigen Tour de Fleece gelernt habe
Heute, mit etwas Abstand, kann ich sagen: Das war unfair zu mir selbst. Die Tour de Fleece ist kein Wettkampf, sondern ein Gemeinschaftserlebnis . Es geht nicht darum, wer den meisten Faden spinnt oder wer keine Pause macht.
Vielleicht hatte ich einfach zu hohe Erwartungen an mich selbst. Vielleicht war mein Ziel zu ambitioniert. Die Fachleute sagen: “Setz dir realistische Ziele, die du auch halten kannst.” Ich habe das nicht getan – und das war okay! Denn ich habe trotzdem viel mitgenommen:
- Ich habe neue Fasern ausprobiert – das erweitert immer den Horizont
- Ich habe mein neues Spinnrad kennengelernt – eine wertvolle Erfahrung für die Zukunft
- Ich habe Teil einer weltweiten Gemeinschaft sein dürfen – auch wenn nur für eine Woche
Für dich – falls dir das auch passiert
Wenn du auch bei einem großen Event oder Projekt ins Stocken gerätst: Das ist völlig normal. Die Tour de Fleece soll inspirieren, nicht überfordern.
Manche Experten empfehlen, einfach mit kurzen Einheiten zu starten – vielleicht nur 20 oder 30 Minuten pro Tag – und sich nicht zu viel vorzunehmen. Oder eine “Palette Cleaner”-Faser zur Hand zu haben, wenn die Lust auf das große Projekt nachlässt.
Mein Fazit
Die Tour de Fleece 2026 war für mich eine wertvolle Lektion: Ich muss nicht perfekt sein. Ich darf Projekte unterbrechen oder sogar abbrechen. Das macht mich nicht zu einem Loser – es macht mich zu einem Menschen, der sich selbst besser kennenlernt.
Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Vielleicht mit kleinerem Ziel, vielleicht mit mehr Pausen. Aber auf jeden Fall mit der Erkenntnis: Die Reise zählt, nicht nur das Ziel.
Bis dahin: Bleib dir selbst treu,
Deine Gabriele von Wolloholiker
